Wenn man wissen will, wie das läuft, wenn man eine Superpleite mit 17 Mitarbeitern hinlegen will, ohne dass einem ein Haar gekrümmt wird, muss man sich nur einen kleinen Ausschnitt aus der Geschäfts-
karriere des flotten Heinz zu Gemüte ziehen. Es geht um diese Firma, die in der Pyramide in Berlin zwangsgeräumt und vom flotten Heinz bei Nacht und Nebel verlassen worden ist ungeachtet der großen Anzahl von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Bekanntlich hatte ein Mitarbeiter und später noch ein weiterer den Antrag auf Insolvenz gestellt, nachdem weder die Gehälter noch die Beiträge für die sozialen
Sicherungs- systeme gezahlt worden sind. Man wird ziemlich schnell sehen, dass das Muster, wie es in Fürstenwalde abläuft, genauso ist. Wie wir verlässlich von 3 Krankenkassen wissen, sind seit November 2002 für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter keine entsprechenden Beiträge abgeführt worden, mal ganz abgesehen von den übrigen Zahlungen wie Miete, Lohn und
Dienst- leistungsgebühren.
Die Pleite
Im offiziellen Gutachten eines Rechtsanwalts aus Berlin, der beauftragt war, die letzte Firma, jene CCConsult GmbH, am Schnittpunkt seines Untertauchens in Fürstenwalde zu beurteilen, heißt es unter anderem:
Im April sei auf Antrag eines Mitarbeiters diese Firma wegen rückständiger Gehaltsforderungen auf Insolvenz gestellt worden. Zur Glaubhaftmachung des Antrages habe es eine eidesstattliche Versicherung der ehemaligen Justiziarin dieses Unternehmens gegeben, da offene Gehaltsforderungen, Forderungen seitens der Krankenkasse, des Finanzamtes und zahlreichen weiteren ehemaligen Arbeitsnehmern bestanden hätten. Außerdem lag ein Antrag eines anderen Mitarbeiters vor, dessen Anwälte ebenfalls wegen titulierten Lohnforderungen diesen Antrag stellten.
Sofort nachdem er die Verfügung erhalten habe, habe er versucht, Kontakt aufzunehmen, der flotte Heinz sei nicht zu finden gewesen und die Post sei
mit der Bemerkung "Empfänger verzogen" zurück gekommen. Danach habe er vergeblich versucht, den Geschäftsführer zur Vereinbarung eines Termins telefonisch zu erreichen. Schließlich habe er mit einem Mitarbeiter telefoniert und erfahren, wie die neue Geschäftsadresse sei. Somit habe er im Juli die Geschäftsräume in der Landsberger Allee aufgesucht und die noch vorhandenen und völlig ungeordneten Unterlagen gesichtet und mitgenommen (das war genau der Zeitpunkt, da er bereits begann, in Fürstenwalde Fuß zu fassen und erste Kontakte mit jenem Unternehmen zu knüpfen, in dem er heute immer noch sitzt. Unterlagen liegen in der Redaktion vor).
Dann machte der Kollege Anwalt die Entdeckung, die wir andauernd machen, dass die aktuellen Auszüge aus dem Handelsregister ganz andere Aussagen treffen als die, die wirklich verhanden sind. Gleiches trifft für die Auskunftsunternehmen zu.
Wirtschafts- auskünfte, die auch unserer Redaktion vorlagen, entsprechen nicht der Realität.
Der Anwalt führt weiter aus:
In den Geschäftsunterlagen habe er dann eine notarielle Urkunde vorgefunden, wonach die Gesellschafter ihre Anteile an die Lebensgefährtin des flotten Heinz zum Preis von 1,- DM veräußert hatten.
|
Demzufolge, so resümiert der Anwalt, ist die Lebensgefährtin die alleinige Gesellschafterin dieser GmbH gewesen. Dann beginnt das Hickhack der vielen Firmen, die unter diesem Konstrukt existierten und insolvent sind.
Durch Versäumnisurteil im Mai 2002 war er zu einem Betrag von 35.790,- Euro nebst Zinsen verurteilt worden. Dies betrifft eine Gesellschaft mit Sitz in Potsdam, die den fälligen Betrag natürlich nicht erhielt.
Der Anwalt führt weiter aus, der flotte Heinz sei auch unter dem Namen
CCC Touristik GmbH aufgetreten und habe versucht, auf dem Gebiet der Bustouristik Fuß zu fassen. Diese genannte Gesellschaft sei aber nicht eingetragen worden. Dann zählte er weitere Firmen auf, die wir auch schon aufgezählt haben, an denen er beteiligt sein soll oder war. Auf jeden Fall stellte er fest, dass es zwei weitere Firmen gibt, die ebenfalls insolvent sind.
|
|
Verbindlichkeiten
gemäß §38 InsO |
|
Miete:
Lohn/Gehalt:
Steuern:
Sozialvers.: |
22.490,58
€
87.648,67
11.975,00 €
30.015,41 |
|
Gesamt: 152.129,66 €
Der
Vermieter hatte am 28. Juni sein Vermieterpfandrecht
geltend gemacht und dem flotten Heinz untersagt,
Gegenstände zu verbringen.
|
|
G.,
Dietmar
G., Detlef
H., Robert
K., Karl-Heinz
L., Ulrike
M., Rainer
M., Ulrike
N., Rainer
Ö., Silvia
O., Kirsten
P., Linda
Sch., Petra
Sch., Georg
Sch., Martin
S., Peter
S., Inessa
W., Erwin
W., Sven
Z., Werner |
4.090,34
€
8.180,67 €
3.834,69 €
8.250,00 €
Rückst. unbekannt
6.832,72 €
7.899,47 €
3.500,00 €
3.170,00 €
5.000,00 €
2.000,00 €
7.000,00 €
3.834,69 €
3.000,00 €
7.491,75 €
1.000,00 €
5.675,35 €
Rückst. unbekannt
6.889,02 € |
|
Außerdem, so schreibt er, sei der flotte Heinz Generalbevollmächtigter der insolventen Druckhaus Media GmbH Berlin gewesen und sei auch anscheinend Vorstand der L.-AG gewesen, die wiederum alleiniger Aktionär der insolventen Grundstücksentwicklungs-
gesellschaft war. Anscheinend, so der Anwalt, ermittelte die Staatsanwaltschaft Wuppertal unter dem Aktenzeichen 632 Js 856/01 wegen Betrugs. Er sei zumindest auch Geschäftsführer der L.-Immobilien C.- GmbH gewesen, in diesem Zusammenhang sei gegen den flotten Heinz ein Strafbefehl ergangen, da er einen Arbeitnehmer eingestellt habe, ohne Gehalt zahlen zu wollen. Offenbar, so schreibt der Anwalt, sind aus den Geschäftsräumen Unterlagen entfernt worden. So habe er vom Geschäftsführer, dem flotten Heinz, auch nachfolgend keine Angaben
erhalten. Gegenstand des Unternehmens sei laut Handelsregister der Handel und Vertrieb von Kraftfahrzeugen jeder Art und Güte, die keiner Sondergenehmigung bedürfe, insbesondere motorisierte
Zweiradfahr- zeuge, Personenwagen, Lastkraftwagen, Baumaschinen und Baugeräte jeder Art gewesen.
|
Des weiteren die Beteiligung an Unternehmen jeglicher Art und Güte und Unternehmensausrichtung sowie die Verwaltung von Gesellschaften und Vermögen. Nach Auskünften noch tätiger Mitarbeiter, so schreibt er, sollte es hauptsächlich um den Vertrieb von Reisebussen gehen, was aber nicht realisiert worden sei.
Dagegen bestünde das Hauptbetätigungsfeld im Akquirieren von wirtschaftlich unrentablen und insolventen Autohäusern. Meines Erachtens, so schreibt er weiter, bestand die Tätigkeit im wesentlichen in der Abwicklung insolventer Unternehmen ohne ordnungsgemäße Liquidation.
Auf Grund verspäteter Anmeldung des Gewerbes sei gegen den flotten Heinz ein Bußgeld erlassen worden. Anscheinend sei auf Veranlassung des Finanzamtes Pankow auch ein
Gewerbeunter- sagungsverfahren gegen ihn anhängig.
Er habe vom Geschäftsführer keine Buchhaltungsunterlagen erhalten und auch in den Geschäftsräumen nichts dergleichen vorgefunden. Nach Ansicht der ehemaligen Mitarbeiter, so schreibt der Anwalt, habe keine Buchführung stattgefunden. Nach den Unterlagen, die er habe sichten können, stellte er fest, die Firma habe einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag von -121.318, 96 DM per August 2000 gehabt.
Zu den Gründen der Insolvenz stellte er fest, die Geschäftstätigkeit sei offenbar nicht auf Gewinne der Gesellschaft ausgerichtet. Der flotte Heinz habe nach der Verhaftung vor dem Amtsgericht Pankow /Weißensee eine eidesstattliche Versicherung über seine Vermögens-
verhältnisse abgegeben. Er sei demnach zu dieser Zeit vermögenslos gewesen und habe Arbeitslosengeld bezogen. Wörtlich schreibt er: "Nach einer mir vorliegenden Auskunft der Credit- Reform hatte der flotte Heinz zu diesem Zeitpunkt nach mehrfachen Haftanordnungen bereits mehrfach die eidesstattliche Versicherung über seine privaten Vermögens-
verhältnisse abgegeben".
Aus den ihm vorliegenden Unterlagen ergebe sich weiter, dass gegen den flotten Heinz mehrfach ermittelt wurde und zu diesem Zweck seine private Wohnung bereits mehrfach durchsucht worden sei. Allein bei der Staatsanwaltschaft beim Landgericht Hamburg seien vier Ermittlungsverfahren wegen Betrug und Leistungskreditbetrug anhängig, aber auch in Berlin werde gegen den flotten Heinz ermittelt.
Weiter schreibt er: Nach Auskunft der Mitarbeiter habe der flotte Heinz jeweils aufeinanderfolgend Arbeitnehmer eingestellt, nicht bezahlt und bei Anmahnung der rückständigen Gehälter entlassen. Gegen die ehemaligen Mitarbeiter erhebe er regelmäßig zugleich Vorwürfe bis hin zu strafbaren Handlungen wie Diebstahl und Betrug. Dieses Verhalten sei ihm bereits aus dem Insolvenzantragsverfahren der anderen Firma bekannt. Anschließend listet er 23 Mitarbeiter auf, die alle offene Lohnforderungen haben, darunter die Familie seiner Lebensgefährtin, wo es keine konkrete Zahlen gibt.
Seine Lebensgefährtin hatte, obwohl ohne Beruf (Lehrvertrag als Gärtnerin bei der
FU Berlin nicht abgeschlossen) ein Bruttogehalt von 1.717,37 DM erhalten. Für eine Mitarbeiterin sind sogar Zuschüsse des Arbeitsamtes geflossen. In diese Pleite sind laut dem Gutachten 17
Krankenkassen involviert. Alle Kosten und Konten in diesem Gutachten stehen auf 0.
|